Der BDSU lebt von Ehrenämtern. Sie bilden das Fundament der Verbandsarbeit und leben seine Mission. Doch was bedeutet es ein Ehrenamt auszufüllen, welche Herausforderungen und welche Vorteile sind damit verbunden? Wie wird ein Ehrenamt durch die Mitglieder des BDSU und einen Kurator, MBtech, wahrgenommen?
In einigen sehr seltenen Fällen begründet eine Rede und die in ihr vermittelten Ideale eine Idee für eine ganze Bewegung. Dies gilt für Martin Luther Kings "I Have a Dream", Kernelement der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung, als auch für Mahatma Gandhis Aufruf zur Gewaltlosigkeit im Jahr 1922. Ein ähnliches, jedoch weitaus weniger prominentes Beispiel stellt William James' Rede zum "moral equivalent of war" aus dem Jahr 1902 dar. James stellte als Erster, die Idee des zivilen Engagements vor, eine freiwillige Tätigkeit, die es jedem jungen Menschen erlauben würde menschliche Größe zu zeigen, um mit "gesünderen Sympathien und großen Ideen" in die Gesellschaft zurückzukehren.
Heute wird ziviles Engagement häufig in Form eines Ehrenamtes wahrgenommen. Die Ausübung eines solchen Amtes stellt dabei das Ausfüllen einer öffentlichen Position ohne entgeltliche Belohnung dar. Doch während in seinen Ursprüngen das Ehrenamt vornehmlich als Ausbildungsstätte für die Jugend galt, sind heute gegenläufige Trends zu beobachten. Im Jahr 2009 hat das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend einen Freiwilligensurvey veröffentlicht, in dem detaillierte Informationen zum Thema freiwilliges Engagement in Deutschland zu finden sind. Demnach sind 71% der Deutschen nach eigenen Angaben öffentlich aktiv, 36% engagieren sich freiwillig. Die Gruppe der Studierenden im Alter zwischen 20 und 24 Jahren liegt dabei mit 40% freiwillig Engagierter knapp über dem Durchschnitt. Allerdings gab es seit 1999 einen stetigen Rückgang von damals ermittelten 45%. Bei der Ursachenforschung wird immer wieder die Problematik rund um die Bologna-Reform genannt. Auch wenn ein Zusammenhang zwischen den veränderten Studienbedingungen und dem abnehmenden Engagement noch nicht statistisch manifestiert wurde, ist dennoch davon auszugehen, dass die mit dem neuen System einhergehende zeitliche Verdichtung, sowie der Leistungsdruck sich negativ auf die Entscheidung auswirken, sich ehrenamtlich zu engagieren. Auch die Einführung von Studiengebühren hat hier womöglich zu einer Verschlechterung der Situation beigetragen. Viele Studierende müssen nun nebenbei arbeiten und haben dadurch noch weniger Zeit für eine weitestgehend unbezahlte Aufgabe, Dennoch gibt es gute Argumente für ein ehrenamtliches Engagement. So erwarten die Engagierten vor allem Spaß an der Tätigkeit, Kontakt zu sympathischen Menschen und eine Erweiterung der eigenen Kenntnisse und Erfahrungen. Und das Erlernen von Soft Skills wie Eigeninitiative, Teamfähigkeit oder die Verbesserung des eigenen Auftretens wird gerade im ehrenamtlichen Bereich gefördert. Somit bietet sich hier die Möglichkeit, die eigene Ausbildung über das akademische Wissen hinaus voranzubringen.
Seit 1992 bietet auch der Bundesverband Deutscher Studentischer Unternehmensberatungen e.V. (BDSU) eine Plattform für ehrenamtliches Engagement. Der BDSU hat sich neben der Verbreitung der Idee der studentischen Unternehmensberatung, die Sicherstellung der Einhaltung von Qualitätsstandards durch seine Mitglieder zum Ziel gesetzt. Außerdem sollen Möglichkeiten für Wissens- und Erfahrungsaustausch unter Studierenden und zwischen Studierenden und Praktikern geboten werden. Diese besondere Form der Ausbildung wird ebenfalls durch die Ausübung von Ehrenämtern sichergestellt. So schafft jeder innerhalb des BDSU Engagierte, einen Teil der Grundlage um die Weiterentwicklung anderer Studierenden sicherzustellen. Stets unentgeltlich, stets leidenschaftlich. Die ehrenamtliche Arbeit innerhalb des Verbandes ist somit also essentiell für seinen Erfolg, Unabhängig von der Position und der Natur des Engagements innerhalb der Gemeinschaft zeichnet sich dieses seit Bestehen des BDSU in Anlehnung an William James immer durch Eines aus: Es werden "große Ideen" geboren. Jeder ehrenamtlich engagierte Student trägt zur Weiterentwicklung der Organisation bei und sichert ihren Fortbestand. Die Möglichkeiten innerhalb des Verbandes sind dabei so vielfältig, wie herausfordernd.
Wer Verantwortung übernehmen und Zukunft gestalten möchte, hat etwa die Möglichkeit einen Vorstandsposten zu übernehmen. Der Vorstand legt die strategische Ausrichtung fest und setzt operative Tätigkeiten um. Ein BDSU-Mitglied, das für ein Jahr zum Vorstand gewählt wird, kann sich auf viele fordernde aber auch fördernde Aufgaben freuen, die außerdem einen großen Beitrag zur eigenen Persönlichkeitsentwicklung leisten. Daneben können sich interessierte Mitglieder in Arbeitskreisen und Workshops engagieren, in denen interne Aufgaben gelöst und die Vorstandsarbeit unterstützt wird. Zudem gibt es den Beirat, der vorrangig ein beratendes und kontrollierendes Organ darstellt. Er soll für Kontinuität bei der Umsetzung der Verbandsstrategie sorgen. Neben ehemaligen BDSU-Vorständen und Kuratoriumsvertretern sind auch hier wiederum Mitglieder aktiv tätig. Eine weitere attraktive Möglichkeit des Engagements ist die erfolgreiche Trainerakademie des BDSU. Hier erlernen die Teilnehmer in einer achttägigen Ausbildung unter anderem Grundlagen des Seminardesigns, der Gruppendynamik sowie der Teamentwicklung und damit Soft Skills, die ihnen im Studium und bis in das Berufsleben hinein entscheidende Vorteile verschaffen können.
Im letzten Jahr entwickelt, besteht nun zusätzlich die Möglichkeit im Rahmen des Kernteams zur Ausrichtung von Herbst- und Frühjahrskongressen sein Talent im Bereich Eventmanagement zu erproben und weiterzuentwickeln.
Diese Ehrenämter bilden die zentralen Bausteine des BDSU. Sie ermöglichen es jedem durch den Verband organisierten Studierenden individuelle Vorteile wahrzunehmen. Der gemeinschaftliche Wert, der in ihnen ausgeübten Arbeit ist gewaltig. Jedem, der ein Ehrenamt ausfüllt, gebührt somit die Anerkennung der Gemeinschaft. Dies wird auch aus den Aussagen verschiedener im BDSU vertretener Studierender deutlich.
Durch eine stichprobenartige Umfrageaktion innerhalb des BDSU gestützt, - es wurden studentische Unternehmensberatungen unterschiedlicher Größe, und Mitgliedsdauer im BDSU befragt - kam es zu einem eindeutigen Ergebnis, welches darstellt, dass ehrenamtliches Engagement generell als sehr wichtig erachtet wird. Würden keine Ehrenämter innerhalb des BDSU ausgefüllt, könnten bestehende Strukturen nicht weiter bestehen und die Realisierung von Projekten würde problematisch, wenn nicht gar unmöglich werden. Des Weiteren wird die Ausübung eines ehrenamtlichen Amts als erfüllendes, spannendes und mit viel Spaß verbundenes Element angesehen, welches letztendlich als beste Quelle persönlicher Weiterentwicklung dient. Insbesondere die kleineren JEs sehen auch das Engagement innerhalb des BDSU als sehr gute Informations- und Leitquelle für die eigenen internen Strukturen. Auch sahen alle Teilnehmer in der Ausübung eines ehrenamtlichen Amts, wie das eines BDSU-Vorstandsposten, generell Vorteile - insbesondere im Bereich der Führungs- oder Managementerfahrungen. Aber auch ein hervorragendes Zeit- und Selbstmanagement werden in dieser Zeit herausgebildet.
Karrierestreben und das Perfektionieren von Hard- und Softskills darf dabei jedoch viele andere Faktoren nicht überstrahlen, wie Thomas Jurk, ehemaliger BDSU Vorstand für Externes des Jahres 2008/2009, zu berichten weiß: "Für meine Person ist nicht nur die Ausrichtung auf die Karriere, sondern auch der Ausgleich durch die Übernahme von gesellschaftlicher Verantwortung wichtig. Dieser Verantwortung möchte ich durch die aktive Begleitung anderer Studierender bei der Entwicklung ihrer Persönlichkeit gerecht werden." Überdies schätzt er natürlich die Vorzüge eines solchen Posten sehr, da er hierdurch sein persönliches Netzwerk in der Wirtschaft und Medienbranche überregional stärken konnte. All diese Gründe lassen ihn auf eine positive Zeit zurückblicken, die ihn jedes Mal wieder bestärken würde, ein solches ehrenamtliches Amt, wie dem des Vorstands im BDSU, wieder anzunehmen um die Idee der studentischen Unternehmensberatung voranzubringen.
Um auch eine externe Perspektive auf das Thema Ehrenamt zu gewinnen, reiste ein Mitglied des Company Consulting Team aus Berlin nach Sindelfingen, um mit Dr. Michael Müller, Vice President und Richard de Vaan, Consultant und Ansprechpartner des BDSU von MBtech ausführlich über das Thema zu diskutieren. Unternehmen in Baden-Württemberg engagieren sich überdurchschnittlich stark sozial, insbesondere der Mittelstand ist für sein soziales Engagement deutschlandweit bekannt. In den letzten Jahren hat sich außerdem in ganz Europa ein starker Trend hin zu nachhaltigem Wirtschaften und sozialem Engagement von Unternehmen unter festen Richtlinien entwickelt - häufig als Corporate Social Responsibility (CSR) bezeichnet. Dr. Müller, geborener Schwabe, betrachtet dies jedoch kritisch und vor allem als einen Faktor innerhalb der Unternehmenskultur. Ist der Gedanke der Organisation als Teil der Gesellschaft, als kollektiver Nutzenstifter nicht tief in einem Unternehmen verankert, ist CSR kaum von einer langfristigen Gewinnsteigerungsmaßnahme zu unterscheiden und hat vor allem einen Imagewirkungscharakter. MBtech hingegen engagiert sich schon lange Zeit in unterschiedlichen Verbänden. Unentgeltlich treiben die Berater die ideelle Entwicklung voran und stärken somit etwa die Existenz des Bundesverbandes Deutscher Unternehmensberater (BDU). Ein besonderes Augenmerk liegt jedoch auf der Förderung des ehrenamtlichen Engagements innerhalb des BDSU.
Für Dr. Müller ist ein Ehrenamt mit einem unentgeltlichen Bereitstellen von Zeit für das allgemeine soziale Wohl verbunden. Die Gemeinschaft steht für ihn dabei stets im Vordergrund. Hier liegt für ihn der zentrale Unterschied zum betrieblichen Engagement. Dort werde Zeit in Umsätze oder Geld gewandelt, "beim klassischen ehrenamtlichen Engagement wandelt man Zeit in Ergebnisse für Andere". Dies jungen Menschen zu vermitteln, betrachtet Dr. Müller als zunehmend schwierig. In seinen Augen seien viele Menschen zunehmend individualistisch orientiert; die Bereitschaft sich in Vereinsstrukturen eingliedern zu lassen, nehme ab. Als Gründe für diese Entwicklungen nennt er die zunehmende Mobilität, vielfältigere finanzielle Möglichkeiten und moderne Kommunikationsmittel. Man sei in der Gestaltung seiner Freizeit nicht länger auf einen lokalen Standort beschränkt und auf den direkten Austausch angewiesen. Generell herrsche ein Überangebot in der Freizeitgestaltung, das die Bereitschaft zum Engagement einschränke. Die ehrenamtlichen Tätigkeiten innerhalb des BDSU sieht auch er vorrangig durch die Bologna-Reform bedroht. "Heute, durch die Umstellungen der Bologna-Reform in Richtung Bachelor und Master, ist das Studium in gewissem Maße auseinander gerissen worden. Die jungen Leute werden heute durch den Bachelor in drei Jahren durchgeschoben. Da habe ich den Eindruck, dass das ein sehr stark verschultes Studium ist, mit sehr eng getakteten Rahmenbedingungen. Da fehlt für viele schlichtweg die Möglichkeit sich zeitlich den Rahmen freizuspielen, um dann wirklich aktiv zu werden."
Jedoch sieht er durchaus Chancen ehrenamtliches Engagement auch unter Studierenden zu stärken. Analog zur anhaltenden Diskussion im BDSU sieht er dann die Attraktivität von ehrenamtlichen Engagements gewährleistet, wenn die Dauer des Engagements klar temporär begrenzt sei. "Ich habe den Eindruck, dass man junge Leute dann gewinnen kann, wenn sie genau wissen, das Engagement ist temporär begrenzt und einen überschaubaren Rahmen von bis zu 12 Monaten hat. Wenn es noch kürzer ist, umso besser." Motivierend sie insbesondere die Arbeit in einem Projekt, "das spannend ist und in dem man in einer Projektgemeinschaft unterwegs ist".
Das Ausfüllen eines Ehrenamtes ist für ihn dabei nicht an spezifische persönliche Voraussetzungen geknüpft. Werden Führungsrollen übernommen, sind für ihn jedoch Parallelen zur Wirtschaft erkennbar. Auch innerhalb eines führenden Ehrenamtes sind fachliche und persönliche Kompetenzen, sowie politisches Geschick entscheidend. Führungspersönlichkeiten innerhalb des BDSU schreibt Dr. Müller dabei besondere Fähigkeiten zu. "Ich denke so ein ehrenamtliches Engagement, insbesondere beim BDSU, hilft einem erstens, die Fachkompetenzen zu sammeln, die notwendig sind, um einen Beraterjob wahrzunehmen und zweitens hilft es einem, mal einen Einblick in eine Organisation zu gewinnen und Erfahrungen zu sammeln, wie man so eine Freiwilligenorganisation führt", erzählt Müller. "Lauter Individualisten", die freiwillig arbeiten zu überzeugen, schätzt er außerdem als ungleich schwieriger ein, als beispielsweise Mitarbeiter in einem Unternehmen zu motivieren. Führungskräfte im BDSU müssen also Menschen sein, "die erstens selbstüberzeugt sein müssen um dieses Ehrenamt oder diesen Job wahrzunehmen und zweitens müssen sie auch ihre Mitstreiterinnen und Mitstreiter überzeugen, dass sie es tun. Weil es gibt nichts Schlimmeres als kritische Kolleginnen und Kollegen, die sagen, "jetzt mach ich das einfach mal nicht, was der da sagt."
Diese Fähigkeiten werden durch MBtech auch als Differenzierungsmerkmal bei der Bewerbung wahrgenommen. "Ein BDSU-Student hat für sich selbst Ziele definiert. Er ist mit einer Eigeninitiative herangegangen und hat diese auch entsprechend verfolgt. Und diese Proaktivität und Eigeninitiative, auch Selbstständigkeit, ist letztlich das, was für mich einen erfolgreichen Berater mit ausmacht", erklärt Richard de Vaan. Dr. Müller schätzt außerdem das professionelle Zeitmanagement von BDSU-Führungskräften, die diese Tätigkeit neben dem Studium wahrnehmen, was auch auf eine große Willenskraft schließen lässt. Doch ein Amt allein bringt noch keinen Vorteil. In einem Bewerbungsgespräch spielen dann Fragen eine Rolle wie: "Welche Ziele ich mir gesetzt habe, wie ich die abgearbeitet habe, welche Wiederstände ich wahrgenommen habe, wie ich diese Herausforderungen lösen konnte und letztendlich auch wie ich das Amt dann wieder übergeben habe."
Um das ehrenamtliche Engagement innerhalb des BDSU weiter zu stärken, bemüht sich MBtech um eine starke ideelle Förderung des Verbandes und versucht somit jeden Studierenden innerhalb der studentischen Beratungen zu fördern. Es können Praktika und Werksstudententätigkeiten im Unternehmen wahrgenommen werden um das Unternehmen kennenzulernen und sich persönlich weiterzuentwickeln, Diplomarbeiten werden in Zusammenarbeit mit MBtech verfasst und auf den halbjährlich stattfindenden Kongressen ist es erklärtes Ziel des Unternehmens nicht Recruiting-Workshops, sondern Trainings mit den Studierenden durchzuführen. Um diese erfolgreiche Zusammenarbeit auch in Zukunft aufrecht zu erhalten, wird laut Richard de Vaan "auch der Vorstand des BDSU bald bei uns im Haus wieder einmal auftauchen, um genauer zu diskutieren, wie man das gegebenenfalls auch weiterentwickeln kann. Weitentwickeln, und zwar so, dass es für und beide einen positiven Benefit bringt".
Das interessante Gespräch mit den Vertretern von MBtech, die zahlreichen Stimmen von BDSUlern und auch die unabhängige Recherche während der Erstellung dieses Artikels zeigen Eines ganz besonders: ein Ehrenamt zahlt sich aus. Nicht nur ist ein Ehrenamt unschätzbar wertvoll für die persönliche Entwicklung, es kann auch Wettbewerbsvorteile gegenüber anderen Bewerbern schaffen. Insbesondere Positionen innerhalb des BDSU können Erfahrungen und Möglichkeiten bieten, die sonst kaum wahrgenommen werden könnten. So sollten trotz möglicher zeitlicher Engpässe und Zweifel bezüglich der Vereinbarkeit eines Ehrenamtes mit dem Studium Jedem stets die unzähligen Vorteile bewusst sein.
Autoren: Paul Quick, Jan Cina Mingo, Lennart Säger
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